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Gamification im Unternehmen

Gamification – oder halbdeutsch Gamifizierung – ist eigentlich schon wieder ein alter Hut. Trotzdem erlebt sie ein Revival – besonders da, wo es darum geht, Menschen zum mitmachen zu bewegen. Egal, ob das nun in sozialen Netzwerken ist oder auf der Arbeit. Aber was ist Gamification eigentlich? Sollen wir alle spielen? Jein – wenngleich uns ein bisschen mehr Spiel bestimmt gut täte. Gamification meint zunächst nichts anderes, als Methoden aus dem (Video)Spieledesign zu nutzen. Der Ansatz ist eher ein verhaltenspsychologischer, als einer, der wirklich mit dem Vorgang des Spielens an sich zu tun hat.

Inhaltsverzeichnis:

Wie können wir als Unternehmen von Videospiele-Herstellern lernen?

Videospiele-Hersteller haben zwei große Ziele: 1. Spiele zu verkaufen und 2. immer wieder Spiele an dieselben Menschen zu verkaufen. Wer ein „Mensch ärgere dich nicht“-Spiel hat, der wird nächstes Jahr kein zweites kaufen. Auch übernächstes nicht oder in drei Jahren. Bei diversen Videospielen ist das anders. Wer FIFA 11 besitzt, hat u.U. auch 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, … gekauft. Faszinierend, oder? Denn letztlich geht es doch immer um dasselbe Spielprinzip. Die Grafik wird besser, die Bedienbarkeit – aber wo ist der echte Mehrwert? FIFA-Videospiele gibt es seit 1993 – seitdem ist jedes Jahr mindestens eine neue Version erschienen – meist für verschiedene Geräte. Und die Spiele werden gekauft.

1993 sah das Spiel so aus:

Heute so:

Außerdem können heute in diesem Fußballspiel „Stories“ gespielt werden – Karrieren aufgebaut werden. Es lohnt sich also, genauer zu betrachten, was Videospielehersteller richtig, richtig gut machen, um ihren Umsatz zu steigern. Aber zuerst….

DER BODEN IST LAVA! – Gamification bedeutet Geschichten zu erzählen

Menschen spielen – und sie spielen gerne. Sogar ohne Computer, Konsole oder Spielbrett. Kinder sind das beste Beispiel – sie spielen eigentlich ständig. Der Schulweg, ein notweniges Übel, wird dadurch interessant gemacht, dass in der Phantasie eine Geschichte entsteht, ein Spiel. Nicht auf die Fugen treten, nur auf die hellen Plastersteine treten, am leeren Grundstück vorbei schleichen, weil dort ein Drache wohnt, den man nicht wecken darf oder eben: „Der Boden ist Lava!“

Geschichten machen auch die langweiligste und unbeliebteste Tätigkeit interessant. Das gilt für den Schulweg genauso wie für das Arbeitsleben oder das Marketing für Produkte, die nicht so richtig sexy sind. Wer eine Geschichte erzählt – oder marketingmäßig: Storytelling betreibt – der schafft eine emotionale Bindung. Auch zu unemotionalen Vorgängen.

Der Vollzeitjob neben dem Vollzeitjob – Gamification bedeutet, Menschen zu motivieren

Es gibt Videospiele, denen man extremes Suchtpotential nachsagt. World of Warcraft ist hier ein Beispiel. Zuerst erschienen 2004 hält das Spiel seit 2009 den Guinness-Weltrekord des beliebtesten Online Spiels. Bis 2012 generierte das Spiel 10 Milliarden US-Dollar Umsatz. 2015 hatte das Spiel 5,5 Millionen Abonnenten. Ja, Abonnenten – wer spielen will, braucht ein Abo. Und wer glaubt, dass die Abonnenten mit ständig Neuem am Ball gehalten werden, irrt. Seit der Veröffentlichung der Grundversion 2004 gab es 7 Erweiterungen. Im Schnitt also alle 2 Jahre eine. Halb so viele, wie Sportspiele wie FIFA auf den Markt bringen. WoW schafft es aber, seine Spieler zu motivieren und zu engagieren. Zum einen ist das Spiel so ausgelegt, dass der Spieler sich extrem stark mit seinem Spielcharakter identifizieren kann, zum anderen läuft das Spiel immer. Egal ob jemand gerade selbst spielt oder nicht. Das latente Gefühl, etwas verpassen zu können, begleitet also die Spieler. Aber nicht nur das – die Spieler „arbeiten“ für das Spiel, auch wenn sie nicht spielen. So gibt es ein „WoW-Wiki“ bzw. „WoWpedia“ mit rund 170.000 Einträgen in sechs Sprachen. Damit gehört dieses Nachschlagewerkt zu den größeren, die heute im Netz zu finden sind. Das ist ein Level an Engagement, das man sich sowohl im Hinblick auf das eigene Social Media – Marketing, wie auch von seinen Mitarbeitern wünschen würde.

Gamification bedeutet Anreize zu setzen - zur richtigen Zeit, in richtigem Umfang

Die Spielemechaniken und Spieledesigntechniken, auf die hier gesetzt wird, sind dabei relativ einfach: klare Ziele, schnelles Feedback, immer ausreichend Information und ein Belohnungssystem, das man verstehen kann. Letztlich ist „leveln“ auch nichts anderes als die Bonus-Punkte-Karte beim Bäcker oder die Rangliste der besten Verkäufer im Unternehmen. Trotzdem langweilt das eine und engagiert das andere. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und müssen im Einzelfall betrachtet werden. Gamification funktioniert nur dort, wo viele, intensive Vorüberlegungen gemacht wurden. Angefangen bei der Zielgruppe bis hin zur Art der Kommunikation im Unternehmen und nach außen. Nicht jeder Anreiz taugt für jede Zielgruppe – oder auch jedes Ziel.

Gamification als Baustein zum Unternehmenserfolg

Gamification kann helfen, Mitarbeiter zu motivieren oder auch überhaupt zu finden! Gamification kann helfen, die Interaktion in sozialen Medien zu steigern. Gamification kann die Kundenzufriedenheit steigern oder auch zur Kundenbindung oder gar Kunden“erziehung“ genutzt werden. Wichtig dabei ist immer, dass Gamification nie offensichtliche Manipulation sein darf. Auch ist Gamification nicht der alleinige Heilsbringer im Marketing – es ist ein Baustein von vielen, aber eben einer, den man nicht außer Acht lassen sollte.

HRCamp 2018 Koblenz: Session zur Gamification für Arbeitgeber

Im Oktober 2018 fand das erste HRCamp in Koblenz statt - wir waren dabei und haben eine Session zum Thema "Gamification" angeboten. Der ein oder andere Personaler war wohl eher skeptisch und vielleicht sogar ein bisschen irritiert im Angesicht der Frage: Was hat Spielen mit meinem Job zu tun?

Am Ende waren die Sessionteilnehmer aber durchaus interessiert, sich näher mit dem Thema Gamification auseinander zu setzen. Ein Grund mehr, die Präsentation zur Session hier zur Verfügung zu stellen.

Gamification für Arbeitgeber from Nadine Huss - Schäfer
Wer mehr zur Gamification erfahren möchte, kann sich gerne an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! wenden.