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Neun Irrtümer rund um Website, Social Media und Content

Wenn es um das Internet geht, bewegt man sich mitunter in Grauzonen – manchmal überschreitet man sie aber auch deutlich. Und das, ohne es zu wissen. Wir räumen mit einigen Irrtümern und Mythen rund um die eigene Website, Social Media und das Thema Content auf.

Inhaltsverzeichnis:

Wenn ich ein Bild gekauft habe / von Wikipedia, darf ich es überall nutzen.

Streng genommen nicht. Bis vor einigen Jahren war es sogar noch so, dass in den AGB der großen Bild-Kauf-Portale der Passus zu finden war, dass sie nicht in sozialen Netzwerken verbreitet werden durften. Mittlerweile sind die meisten hier aber mit der Zeit gegangen. Trotzdem sollte man sich die Lizenzen der Anbieter genau anschauen. Manchmal wird z.B. gefordert, dass der Urheberhinweis direkt am Bild zu stehen hat – das ist nicht immer sinnvoll umzusetzen. Insbesondere bei der Verbreitung in sozialen Netzwerken kann man das Weiterteilen nicht verhindern. Und schon gar nicht, dass der Urheberhinweis entfernt wird. Kritisch wird hier z.B. Pinterest gesehen. Aber auch andere soziale Netzwerken haben irgendwo im Kleingedruckten stehen, dass sie die hochgeladenen Bilder kommerziell nutzen dürfen. Ein Recht, das man als Betreiber einer Fanpage, die ein gekauftes Bild verwendet, aber in aller Regel nicht einräumen darf.

Auch hält sich der Irrglaube, dass Bilder, die bei Wikipedia veröffentlich wurden, automatisch auch für andere Projekte verwendet werden dürfen. Auch das ist in aller Regel nicht so. Die Bilder bei Wikipedia unterliegen in aller Regel entweder einer der Creative Commons - Lizenzen oder der GNU General Public Licence. Dabei ist es unter all den Lizenzen tatsächlich nur bei der CC0 - Lizenz "einfach so" möglich, die Bilder zu verwenden. CC0 bedeutet "kein Copyright" bzw. "gemeinfrei" und entsprechend gekennzeichnete Bilder dürfen auch ohne Urheberhinweis genutzt werden. Aber eben nur diese. Denn auch Wikipedia gibt niemand das Urheberrecht beim Login an der Tür ab.

Der Copyrighthinweis auf meiner Website ist nötig, um die Urheberschaft zu sichern

A propos Copyright: Es gibt im deutschen Recht kein Copyright. In Deutschland gibt es stattdessen das Urheberrecht, das einen etwas anderen Ansatz hat, als das Copyright. Ein Copyrighthinweis ist in Deutschland schlicht unwirksam. Tatsächlich braucht es aber gar keinen dezidierten Hinweis auf die Urheberschaft. Ist man der Urheber eines Werkes mit einer entsprechenden „Schöpfungshöhe“ (z.B. bei Bildern, Texten, Videos etc.), so hat man das Urheberrecht. Auch ohne explizit darauf hinzuweisen. Der Unterschied liegt schon im Namen ersichtlich: Das Copyright ist das Recht, etwas zu kopieren. Dieses Recht kann veräußert werden. Das Urheberrecht hingegen ist das Recht desjenigen, der etwas geschaffen hat und kann nicht veräußert werden.

Mit einem Disclaimer / Haftungsausschluss schließt man die Haftung für externe Links aus

Ein bisschen ist der Disclaimer das immer wieder geteilte Facebook – Bild „Hiermit widerspreche ich den AGB“. Man kann der Haftung nicht widersprechen und sie auch nicht ausschließen. Ein Disclaimer kann lediglich einige Hinweise enthalten, inwieweit man haftet (weil man muss) oder eben nicht (weil man nicht muss). Bei der Haftung für externe Links dreht sich vieles um "zumutbare Prüfpflichten". Einerseits zeigt das zwar deutlich: Man hat eine Prüfpflicht. Andererseits bedeutet das auch, dass man nicht täglich kontrollieren muss, ob auf den verlinkten Seiten alles ok ist.

Auch Formulierungen wie "Keine Abmahnung ohne vorherigen Kontakt..." spiegeln eher den Wunsch des Webseitenbetreibers wider, als eine rechtliche Absicherung.

Die Domainregistrierung kommt einer Markeneintragung gleich

Das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Die Registrierung einer Domain bewirkt keinerlei Schutzrecht. Tatsächlich ist es so, dass der „Domaininhaber“ auch nicht der wirkliche Inhaber ist, sondern lediglich einen Vertrag über die Nutzung einer Domain mit seinem Provider oder dem entsprechenden Registrar eingeht. Es empfiehlt sich jedoch, vor der Registrierung einer Domain einen Markencheck zu machen. Denn es hat durchaus Urteile gegeben, in denen eine Domain, die einer existierenden Marke zu ähnlich war, an den entsprechenden Markeninhaber abgegeben werden musste.

Unrechtmäßige Abmahnungen im Netz kann man einfach ignorieren

Wenn eine ganz offensichtlich unrechtmäßige Abmahnung ins Haus geflattert ist, sollte man diese dennoch nicht einfach ignorieren. Denn selbst wenn es die Abmahnung rechtlich nicht haltbar ist, droht bei Nichthandeln nach Ablauf der gesetzten Frist eine einstweilige Verfügung. Idealerweise lässt man einen Anwalt auf eine solche Abmahnung antworten. Das reicht oft schon, um den Abmahner zurückzupfeifen.

Ich habe meinem Fotografen / meiner Webagentur das Urheberrecht abgekauft

Das Urheberrecht ist anders als das anglo-amerikanische Copyright nicht übertragbar. Selbst wenn Fotograf/Filmer/Agentur das Urheberrecht verkaufen wollte, so könnte er es nicht. Das Urheberrecht ist eben das Recht des Urhebers eines Werkes.

In aller Regel vereinbart man mit einem Kreativen ein so genanntes Nutzungsrecht. Das kann sehr vielfältig gestaltet sein und sollte vertraglich festgehalten werden. Wichtig dabei ist, ggf. auf das zeitlich unbeschränkte Nutzungsrecht zu achten. Warum? Kommt gleich im nächsten Punkt.

Stellt ein Hersteller mir Bilder zur Verfügung, darf ich diese unbegrenzt nutzen

Herstellerbilder sind ein sehr einfacher Weg, an professionelle Bilder zu kommen. Allerdings sind diese Bilder auch mit einem Risiko behaftet, wie sich z.B. 2018 in der Kosmetik-Branche gezeigt hat. Viele Kosmetikinstitute setzen Bilder eines bestimmten Herstellers ein, der wiederum mit verschiedenen Fotografen Bildreihen zur Verfügung stellte. Nun kam es aber wohl zum Bruch zwischen der Herstellerfirma und einem ihrer Fotografen, der kurzerhand darauf pochte, dass das Nutzungsrecht für einige seiner Bilder ausgelaufen sei (deswegen auf das zeitlich unbegrenzte Nutzungsrecht achten!). Der Fotograf suchte sich eine Anwaltskanzlei, die munter abmahnte. Nicht etwa den Hersteller, sondern all die Kosmetikinstitute, die Bilder aus besagter Reihe auf ihren Websites und in sozialen Netzwerken verwendet hatten. Man sollte sich also stets bewusst sein, dass man zu jedem Zeitpunkt selbst für die Dinge verantwortlich ist, die man ins Netz stellt. Das gilt auch für Bilder, die einem zur Verfügung gestellt werden. Abgesehen davon sprechen auch andere Faktoren für eigene Bilder. Mehr dazu in unserem Beitrag über Stockphotos und Authentizität.

Stellt ein Hersteller mir Texte zur Verfügung, kann ich diese 1 zu 1 nutzen

Kann man. Sollte man aber nicht. Zum einen ist auch das eine Frage der Authentizität, zum anderen ist es eine Frage der Suchmaschinenoptimierung. Google & Co. finden so genannten „Duplicate Content“ nämlich ziemlich doof. Und hier liegt einer der Hauptgründe, warum man die zur verfügung gestellten Texte nicht 1 zu 1 übernehmen sollte: Google erkennt, dass man selbst nicht der ursprüngliche Autor ist. Im besten Fall ignoriert die Suchmaschine den Text – man wird zu dem Thema also nicht gefunden. Im schlechtesten Fall straft die Suchmaschine die eigene Seite sogar ab. Denn Google weiß eben nicht, ob der Text berechtigt übernommen oder unrechtmäßig geklaut wurde.

Hacker haben kein Interesse an kleinen Unternehmen

Die Annahme, man sei „sicher“, weil man zu uninteressant für einen Hacker ist, ist schlicht falsch. Der Hacker interessiert sich im Zweifel tatsächlich nicht für das Unternehmen, sehr wohl aber für die Funktionen, die ein Content-Management-System wie Wordpress, Joomla!, Contao oder Typo3 mit sich bringt. Vornehmlich die Mailing-Funktion der Systeme. Hierüber kann Spam versendet werden oder auch Trojaner verschickt werden. Trojaner lassen sich auch auf der Website selbst unterbringen. Jeder Besucher der Website ist so ein potentielles Opfer. Der Webseitenbetreiber ist hier übrigens in der Pflicht – und unter Umständen auch in der Haftung. Wird über seine Seite Schaden angerichtet, kann es teuer werden.

Davon abgesehen gibt es natürlich auch diejenigen, die „aus Spaß“ hacken. Bei der Frage: „Was haben die davon?“ muss man zurückfragen: Was hat jemand davon, ein Graffiti irgendwo an die Wand zu schieren oder öffentliches Eigentum zu zerstören?